Cayucas

Die Rückbesinnung auf musikalische Wurzeln ist für viele etablierte Künstler, die den größten Teil eines Jahrzehnts überdauert haben, eine altehrwürdige Tradition. Es kann schon mal ein-zwei Alben dauern, bis so etwas wie ein „eigener Sound“ entsteht. Die Perfektionierung und bei gleichzeitigem Vorwärtsdrang kann dann durchaus noch ein weiteres brauchen. Manchmal juckt es dann aber auch einfach, dahin zurückzukehren, wo alles begann, wo man sich wirklich zuhause fühlt. Im Fall von Cayucas bedeutet das, dass die beiden Brüder Zach und Ben Yudin an den Strand zurückkehren. Zurück zum sonnigen, pulsierenden und unverschämt eingängigem Sommer-Sound, mit dem für die beiden alles begann. Und so ist ihr neues Album „Blue Summer“ der vertonte kalifornische Sommer geworden

Etwa ein Jahr nach ihrem dritten Album „Real Life“ und fast ein Jahrzehnt nach ihrem Debüt „Bigfoot“ setzten sich Cayucas im Sommer 2019 an den Strand um Bilanz zu ziehen. Mit „Real Life“ war ihr Soundgrößere, poppiger und bombastischer geworden. Zuvor hatten sie mit „Dancing at the Blue Lagoon“ ein stimmungsvolleres und kunstvolleres Terrain erkundet. Das Erstlingswerk „Bigfoot“, mit seinem eingängigen Songwriting, beschwingten Rhythmen und Sing-a-long-Refrains, stand mit beiden Füßen fest im Indie-Pop. Ein Album, dass das Leben an der Kalifonischen Küste mit all seinen Facetten besang und feierte. Und genau hier setzten die beiden für „Blue Summer“ an.

„Wir waren auf Tournee und ich hatte die Idee, einen Song namens „Blue Schwinn“ zu schreiben, um zu unseren Wurzeln zurückzukehren“, sagt Zach. „Wir hatten dieses Mantra: Zurück zum Strand. Das war der Startschuss für den kreativen Prozess. Wir hörten tonnenweise Beach Boys, fantasierten darüber, wieder an der Küste zu leben, und schrieben Songs, die an die Original-Demos erinnerten, die wir 2011 für Cayucas geschrieben hatten – das ist so etwas wie unsere Basis. Zum ersten Mal seit einer Weile fühlte sich diese Idee wirklich frisch und aufregend an. Lass uns zu dem zurückkehren, was für uns als Songwriter wirklich funktioniert und sich besonders anfühlt und was am meisten wir sind. Songs zu schreiben, die dorthin zurückkehren, wo alles begann, fühlt sich jetzt wieder richtig gut an“.

Inspiriert von dieser Idee, Pet Sounds und den Smile Sessions, dem Groove von Jan & Dean und besagten babyblauen Schwinn Fahrrad, das Zach fuhr, als die Band vor zehn Jahren unter dem Namen Oregon Bike Trails anfing, begannen die Brüder im vergangenen Herbst mit dem Schreiben ihren neuen Sommer Soundtracks.

Sie gruben alte Drumloops, Basslines und andere Samples aus dem Cayucas Archiv, warfen sie mit neuen Gitarrenriffs, Vintage-Hall-Effekten und anderen Elementen zusammen. Schnell standen die ersten Ideen. „Blue Schwinn“ wurde bald in „Summer Moon“ umbenannt. Trotz der Namensänderung bleibt die nostalgische Santa Monica/Beach Cruiser-Atmosphäre erhalten. „From the Rafters“ basiert auf einem Demo, von dem Ben sagt, dass es ursprünglich eine Version von „Surfin‘ USA“ werden sollte. „Yeah Yeah Yeah,“ mit seinen Brian Wilson trifft Beck Vibes hingegen ist – man höre und staune – inspiriert von Trios „Da da da“ und wägt ein Leben in East vs. West L.A. ab.

Und während die Beach Boys auf dem ganzen Album durchklingen, ist „Malibu ´79 Long“ eine klare Homage. „Wir sind besessen von den Beach Boys. Diesen Song schrieb ich ganz klar mir Pet Sounds und Smile im Hinterkopf.“ Der Titel hingen ist vermutlich von einem Kapitel aus William Finnigans Surf-Memoiren „Barbarian Days“ inspiriert. Eine Welt in die sich auch die Single Boy-spot-Girl Single „California Girl“ wunderbar einfügt, während „Red-Yellow Bonfire“ – wie der Name schon sagt – wie gemacht ist für ein Lagerfeuer-Sing-a-long.

Und obwohl durchaus bei vielen Songs einer gewisse Sehnsucht und Nostalgie mitschwingt, ist Cayucas „Blue Summer“ ohne Zweifel viel mehr Summer als blue. Und das funktioniert sich auch noch im Herbst

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